Vereinschronik

Im Jahre 1921 wurde der Musikverein von Pater Pastor Fridolin Schumacher OFM gegründet. Einundzwanzig Jugendliche aus Salmünster begeisterten sich für die Blasmusik. Erster Kapellmeister war Heinrich Fussen, der mit viel Ausdauer und Geschick diesen jungen Menschen die ersten „Flötentöne“ beibrachte. Es führte ganz automatisch dazu, dass der ursprüngliche Wirkungskreis erweitert wurde und der Musikverein den Namen der Stadt Salmünster weit über die Kreisgrenzen hinaustrug.

Auch die damalige Jugend forderte ihr Recht. In Salmünster und in der weiteren Umgebung gab es keine Kirmes ohne die Mitwirkung des jungen Musikvereins. Kapellmeister Fussen, musste leider bald Salmünster verlassen. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Spielmann aus Gelnhausen, unter dessen Stabführung am 12. Juni 1926 bei dem damaligen Radfahrerfest in Wächtersbach die erste Musikaufführung „gegen Bezahlung“ stattfand.

Am gleichen Tage wurde auch das Kriegerdenkmal am Obertor in Salmünster eingeweiht. In diesem Zusammenhang dürfte es interessant sein zu wissen, dass die Musiker damals mit ihren Instrumenten die Strecken per Fahrad zurücklegten. Ein unbeabsichtiges Treffen mehrerer Musikkapellen fand am 4. Juli 1926 bei einem Waldfest im „Häuser Wald“ statt. An diesem 1. zufälligen Musikertreffen – so kann man es wohl nennen – nahmen die Kapellen aus Alsberg, Mernes und Oberndorf teil. Diese Begegnung wurde zu einem richtigen Volksfest und endete mit einem zünftigen Fußballspiel zwischen den Vereinen von Salmünster und Oberndorf. Am Ende hatte Oberndorf 4:3 gewonnen. Bereits damals pflegte man freundschaftliche Beziehungen zu anderen Kapellen, insbesondere zum Musikverein „Cäcilia“ Bad Soden und zu sämtlichen Musikvereinen aus dem Freigericht.


Die Gründer im Jahr 1921

Am 2. Januar 1927 gab der Musikverein sein erstes größeres Konzert im Saal des Gasthaus „Iffert“.
Diese Veranstaltung mit Theatereinlagen wurde ein großer Erfolg und musste wiederholt werden. Die Erfolge kamen aber nicht ungefähr, denn gerade während der Arbeitslosigkeit war viel Idealismus erforderlich für die Mitwirkung im Musikverein. Für die Teilnahme an den wöchentlichen Proben musste jedes Mitglied 1,- RM entrichten, obwohl sein wöchentliches Taschengeld manchmal nur 2,- RM betrug.

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Nach einem Platzkonzert im Jahr 1931

Trotz schlechter Wirtschaftslage mussten immer wieder neue Instrumente gekauft werden. Die Mitglieder übernahmen freiwillig die Bürgschaft für die Anschaffungskosten. Da dem Verein im Jahre 1933 keine Mittel mehr zur Verfügung standen, mussten die Proben ohne Dirigenten durchgeführt werden. Erst nach einem Gartenfest im Juni 1934, das mit einem Preisschießen verbunden war und eine erneute Einnahme brachte, konnten die Proben mit Dirigent Spielmann aus Gelnhausen wieder aufgenommen werden.

In dieser Zeit wurde mit dem Musikverein „Cäcilia“ Bad Soden die Abmachung getroffen, zukünftig Konzerte gemeinschaftlich zu veranstalten, ohne damit die Rechte der einzelnen Vereine einzugreifen. Dieses zeugte von einem recht guten nachbarlichen Geist und führte nach wechselnden Proben in Bad Soden und Salmünster am 26. Dezember 1934 zu einem Gemeinschaftskonzert in der Turnhalle der Henry-Harnischfeger-Schule. Es fand noch ein Platzkonzert in Bad Soden statt, bei dem das gemeinsame Musizieren leider ausgeblieben ist.

Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 wurden auch viele Mitglieder des Musikvereins eingezogen, so dass das Abhalten von regelmäßigen Proben nicht mehr möglich war. Trotzdem gelang es dem Vorsitzenden Franz Bös immer wieder, junge Leute für die Blasmusik zu begeistern und heranzubilden. Dadurch konnten während des ganzen Krieges alle Prozessionen musikalisch begleitet werden.

Nach dem Krieg begann auch für den Musikverein eine neue Epoche. Zwar ruhte zunächst noch die gesamte Tätigkeit des Vereins von April bis Dezember 1945. Am 4. Dezember 1945 wurde unser Verein von der amerikanischen Militärregierung wieder zugelassen. Der Musikverein war der erste Verein von Salmünster, der am 22. April 1946 erstmals mit einer Tanzveranstaltung öffentlich auftrat.

Alle vorgetragenen Musikstücke bedurften vorher der Genehmigung durch die US-Militärkommandantur. Erster Dirigent nach dem 2. Weltkrieg war der aus dem Sudetenland vertriebene Kapellmeister Richard Wagner. Er leitete in uneigennütziger Weise die Kapelle. Unter seiner Leitung wurde der Verein musikalisch wieder auf ein beachtliches Niveau gebracht. In diesen Jahren fanden neben Jugendlichen aus Salmünster auch meherere Musiker aus den deutschen Ostgebieten zum Musikverein.

Unter der Leitung von Kapellmeister Wagner fand nach der Währungsreform erstmals am 6. Februar 1949 ein Konzert statt. An allen kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen in Salmünster nahm der Musikverein in der Folgezeit teil. Der Chronist erwähnte insbesondere im Jahre 1950 folgende Veranstaltungen:
„Bunter Abend“ der katholischen Jugend und „300-Jahr-Feier“ des Franziskanerklosters in Salmünster.
Am 23. Juni 1951 veranstaltete der Musikverein im Gasthaus „Zum Stern“ sein erstes Musikfest, an dem sich die Musikvereine aus Bad Soden, Horbach, Altenmittlau und Steinau beteiligten.
Leider musste im Jahre 1953 Kapellmeister Richard Wagner sein Amt als Dirigent aus gesundheitlichen Gründen niederlegen.

An seine Stelle trat Kapellmeister Heinrich Hofmann aus Salmünster, damals Posaunist bei dem Tanz-und Unterhaltungsorchester Willy Berking in Frankfurt am Main. Aus beruflichen Gründen konnte er den Musikverein nur für kurze Zeit leiten. Deshalb übernahm Richard Wagner nach seiner Genesung nochmals für längere Zeit die Stabführung des Musikverein Salmünster. Am 17. März 1959 übernahm Kapellmeister Heinz Kopp aus Steinau das Dirigentenamt des Musikverein 1921 Salmünster.

Aufgrund seines großen musikalischen Könnens steigerte er im Laufe der Zeit unermüdlich und zielbewusst das Niveau des Musikvereins. Der erste öffentliche Auftritt unter der Leitung von Kapellmeister Heinz Kopp fand anläßlich der Primiz von Pater Godehard Elsing am 12. April 1959 statt. Unter anderem beteiligte sich der Musikverein im Jahre 1959 am Gebrüder-Lomb-Gedächtnistunier, bei der Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Salmünster und der Glockenweihe der katholischen Kirche.

Komuionszug 60er
Komunionszug in den 60er Jahren

Erstmalig nach dem Kriege spielte der Musikverein, im Jahre 1960 in Aufenau anläßlich eines Jubiläums des Frontkämpfer-und Soldatenvereins. Das 40-jährige Vereinsjubiläum wurde vom 29. bis 31. Juli 1961 festlich begangen. Durch die Teilnahme von 16 befreundeten Musikvereinen war es eine Demonstration für die deutsche Volksmusik. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Verein Mitglied des Hessischen Musikverbandes. Dadurch konnten anläßlich eines Konzertes im Jahre 1962 durch den Verbandspräsidenten verdienten Mitgliedern Bundes-Ehrennadeln verliehen werden. In den folgenden Jahren wirkte der Verein nicht nur bei den üblichen kirchlichen Anlässen mit, sondern beteiligte sich auch an etlichen Jubiläumsfesten Salmünsterer Vereine und Einweihungsfeierlichkeiten der Stadt, gab Platzkonzerte und besuchte befreundete Musikvereine anläßlich ihrer Feste.

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Die Jugendkapelle im Jubiläumsjahr 1971

Nach langjähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender verzichtete Franz Bös in der Jahreshauptversammlung 1963 aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl. In Anerkennung seiner Verdienste um den Verein wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Sein Nachfolger wurde Hubert Schäfer. Eine beachtenswerte Leistung während seiner Amtszeit war die Gründung der ersten, selbständigen Zöglingsgruppe im Jahre 1964, die den Grundstock für die spätere Jugendkapelle bildete. Als im Jahre 1969 Hubert Schäfer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte, wählte man Helmut Walter zum 1. Vorsitzenden.

Aufgrund seiner Initiative wurde ab 1969 der Musikverein für Kurkonzerte in Bad Orb verpflichtet. Auch die musikalische Umrahmung bei Großkundgebungen in Bad Orb in den Jahren 1969/1970. u.a. bei dem Besuch des Bundeskanzlers Willy Brandt, wurde vom Salmünsterer Musikverein bestritten. Anlässlich des 650. Jubiläums zur Stadternennung von Salmünster hatte der Musikverein wesentlichen Anteil an der musikalischen Gestaltung des Festes.


Das Stammorchester im Jubiläumsjahr 1971

Aus der Festschrift „50 Jahre Musikverein 1921 Salmünster e.V.“

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